SP Matthias Anderegg


Knapp über 30 Prozent: Der Anteil derjenigen Kantonsräte aus dem Dorneck-Thierstein, die bei den Erneuerungswahlen am 7. März nicht mehr antreten, ist in keiner Amtei höher. Von den 13 Parlamentariern werden sich 4 der Wiederwahl nicht stellen. 

In der aktuellen Amtsperiode entsenden die FDP vier, die CVP und die SP jeweils drei, die SVP zwei und die Grünen einen Vertreter nach Solothurn. Zum grössten personellen Aderlass kommt es bei den Freisinnigen, deren Kantonsräte Heiner Studer und Hans Büttiker ihren Sitz räumen. Der Nunninger Studer, der dem Rat wie Büttiker seit 2009 angehört, erklärt: «Ich bin jetzt 64. Es ist Zeit, Jüngeren Platz zu machen.» Sein Amt als Gemeindepräsident von Nunningen werde er jedoch weiterführen, weshalb er bei Wahlen später im Jahr wieder antrete. Bei Hans Büttiker, dem ehemaligen Direktor der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) handelt es sich um einen der verdientesten Politiker des Schwarzbubenlands.
    

Ein illustres Quartett macht Platz frei Image 1

Bei den Grünen und der CVP treten alle wieder an

Einen gewichtigen Abgang hat auch die SVP zu beklagen, bei der Peter M. Linz nicht mehr antritt. Der 76-Jährige aus Büsserach galt im Ratsbetrieb als Enfant terrible und fiel mit politisch nicht ganz korrekten Aussagen auf. Mit dem ältesten aller Kantonsräte verliert das Parlament eine schillernde Figur. Für die SP steigt Stefan Oser, der erst seit 2015 im Rat politisiert, nicht mehr ins Rennen. «Ich möchte mehr Zeit in meinen Beruf als Pflanzenberater investieren», sagt er. Die Arbeit als Kantonsrat habe ihm viel Freude bereitet. Der Aufwand sei aber nicht zu unterschätzen.

Die Grünen konnten mit dem Dornacher Daniel Urech im vergangenen Jahr den ersten Kantonsratspräsidenten der Partei stellen. Bei den Wahlen wird er genauso wieder antreten wie alle drei CVP-Kantonsräte aus dem Schwarzbubenland: Bruno Vögtli, Kuno Gasser und Susanne Koch Hauser. Letztere konnte sich als Präsidentin der Finanzkommission als Kennerin der Kantonsfinanzen profilieren. Auch die Sozialdemokraten Simon Esslinger (Gemeindepräsident Seewen) und Karin Kälin (Gemeindepräsidentin Rodersdorf) werden versuchen, ihre Sitze zu verteidigen. Für die SVP stellt sich Sibylle Jeker wieder zur Verfügung, während bei der FDP Mark Winkler und Christian Thalmann erneut kandidieren. Der Breitenbacher Thalmann ist der dienstälteste Kantonsrat aus dem Dorneck-Thierstein: Er gehört dem Parlament seit 2007 an.

Traditionell starke Freisinnige könnten einen Sitz verlieren


Ob es allen Kandidierenden gelingt, eine Legislatur anzuhängen, zeigt sich Anfang März. Noch mehr Spannung verspricht der Kampf um die vier frei werdenden Sitze. FDP, CVP, SVP und die Grünen haben volle Listen mit 13 Kandidaten eingereicht. Auf der Liste der SP stehen 10, auf derjenigen der Grünliberalen und Jungen Grünliberalen 4 Personen. Fast ein Viertel aller 66 Antretenden ist unter 30 Jahre alt. Sieht man sich die Listen an, fallen bekannte Namen auf. Bei der SVP sind dies der ehemalige Baselbieter Landrat Guido Halbeisen und Marcel Schenker, der in Breitenbach als Gemeinderat tätig ist. Janine Graber, Lehrerin und Chefredakteurin des Online-Jugendmagazins Tize, und der Bättwiler Gemeinderat Glenn Steiger stechen bei der CVP ins Auge. Auffälliger Kandidat bei der SP ist Jonas Maienfisch, der in Rodersdorf im Gemeinderat sitzt. Bei den Grünen hat sich Florian Lüthi, Geschäftsführer der Grünen Solothurn, aufstellen lassen. Obwohl er in Dornach als Gemeindepräsident zurücktreten will, kandidiert Christian Schlatter auf der Liste der Grünliberalen.

Die Dornacher Gemeinderätin Annabelle Lutgen und der Bürener Unternehmer Martin Vogel stehen bei der FDP in der Poleposition, um die frei werdenden Sitze in den eigenen Reihen zu halten. Die SVP, die bei Abstimmungen und nationalen Wahlen im Dorneck-Thierstein erfolgreich ist, hat hier aber auch ein Wort mitzureden. Es ist gut möglich, dass die Volkspartei dieses Mal der traditionell wählerstarken FDP, der CVP oder der SP einen Sitz abluchsen kann. Sibylle Jeker, Kantonsrätin und Präsidentin der SVP Schwarzbubenland, meint zu den Aussichten: «Wir haben eine starke, ausgewogene Liste. Es ist gut möglich, dass die Volkspartei dieses Mal der traditionell wählerstarken FDP, der CVP oder der SP einen Sitz abluchsen kann. Dimitri Hofer
   

Auf einen Blick

Anzahl Mandate: 13 (aktuell 4 FDP, 3 CVP, 3 SP, 2 SVP, 1 Grüne)
Anzahl Kandidierende: 66
Frauenanteil: 29 Prozent (19 Frauen)
Anzahl Listen: 6
Listenverbindungen: CVP-GLP/Junge GLP; SP-Grüne
Rücktritte: Hans Büttiker (FDP, Dornach); Peter M. Linz (SVP, Büsserach); Stefan Oser (SP, Flüh); Heiner Studer (FDP, Nunningen)


Was Wählerinnen und Wähler erwarten

Umfrage

Marc Wyss, 74Rentner, Flüh
Marc Wyss, 74
Rentner, Flüh

«Einleitend möchte ich sagen, dass ich mich nicht allzu sehr für Kantonspolitik interessiere. Ich habe jedoch ein konkretes Anliegen: Vor einigen Jahren wandte ich mich wegen der sanierungsbedürftigen Talstrasse zwischen Flüh und Mariastein an den Kanton. Man sagte mir, dass dies bald in Angriff genommen werde. Bis heute ist aber nichts geschehen. Deshalb bitte ich darum, hier endlich tätig zu werden.»
    


Roland Jaccard, 80Rentner, Rodersdorf
Roland Jaccard, 80
Rentner, Rodersdorf

«Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Regierungen in der Schweiz stabil. Das ist viel wert. Bei den aktuell stattfindenden Impfungen gegen das Coronavirus könnte die kantonale Informationspolitik besser sein. Für viele Leute im Schwarzbubenland ist nicht klar, wo sie sich wann impfen lassen können. Gerade in Regionen, die an andere Kantone grenzen, wäre es wichtig, die Menschen ausführlich zu informieren.»
   


Sascha Jeger, 40Koch, Beinwil
Sascha Jeger, 40
Koch, Beinwil

«Ich würde mir wünschen, dass der Kanton Solothurn das Schwarzbubenland als Wirtschaftsstandort besser vermarktet. Durch den Wegzug der Firma Gurit in Zullwil fallen zahlreiche Arbeitsplätze weg, die fehlen werden. Die Förderung der lokalen Wirtschaft sollte man ausbauen. Grundsätzlich möchte ich jedoch festhalten, dass ich mich als Schwarzbube im Kanton nicht benachteiligt fühle.» Umfrage: Dimitri Hofer