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Einmal Nägel schneiden, bitte!

Simon Antener aus Nennigkofen ist einer der wenigen anerkannten Klauenpfleger in der Region. Für diese wichtige Arbeit an der Kuh braucht es viel Erfahrung und Kraft.

Konzentriert behandelt Simon Antener den Vorderhuf seiner Kuh Xiliana. Bilder: Monika Burri

7.11.2021

So ungewöhnlich wie sein Beruf ist auch sein Wohnort: Simon Antener wohnt mit seiner Frau nämlich auf der Insel Länggrien, besser bekannt als das Aareinseli. Zum Bauernhof der Anteners kommt man nur mit dem Boot, und nebst dem Ehepaar leben Mutterkühe und Hund Leila auf dem hübschen Eiland. Seit 2017 hat der ehemalige Bauer Antener eine Bewilligung zum Klauenschneiden und -pflegen. Früher habe er bei seinen Milchkühen auch immer nach den Klauen geschaut, somit war das Thema nicht fremd für ihn. Doch die professionelle Behandlung überliess er dem Profi. Als sein Sohn jedoch den Landwirtschaftsbetrieb übernehmen wollte, suchte Antener nach einer Beschäftigung, die er auch nach seiner Pensionierung als Bauer ausführen konnte. Idealerweise war zu dieser Zeit gerade ein Grundkurs für angehende Klauenpfleger ausgeschrieben, den er besuchte. 

Auch schon ist ein Muni durchgebrannt

An diesem Herbstmorgen bringt Simon Antener seine Mutterkuh Xiliana aus dem Stall. Sie bekommt heute eine Pediküre verpasst. Der «Klauenstand» steht auf dem Hof und dient dazu, Xiliana zu fixieren. Nur widerwillig lässt sich die Kuh im Stand anbinden. «Die Tiere mögen dieses Prozedere eigentlich nicht. Aber es muss halt zwischendurch sein», kommentiert Antener und bindet routiniert das Hinterbein hoch. «Nach dem Besuch des Grundkurses braucht es viel Übung», sagt der Bauer. Darum sei er lange mit einem erfahrenen Klauenpfleger mitgegangen und habe sich so die nötige Routine angeeignet.

Jetzt macht er sich ans Werk und bearbeitet unter dem kreischenden Lärm des Schleifgeräts ein Huf nach dem anderen mit einer speziellen Schleifscheibe. Xiliana hat sich, trotz dem Lärm, ihrem Schicksal ergeben und erträgt die schmerzlose Prozedur mit stoischer Gelassenheit. Simon Antener ist wichtig zu betonen, dass er nur gesunde Hufe bearbeitet. «Wenn ein Tier eine Auffälligkeit aufweist, bin ich zurückhaltend und warte auf die Meinung des Tierarztes.»

Arbeitsinstrumente: Schleifscheiben und das Kratzmesser.
Arbeitsinstrumente: Schleifscheiben und das Kratzmesser.

Nicht immer sei es so einfach, die Tiere zu behandeln. «Einmal hat ein 1200 Kilo schwerer Muni es geschafft, den Boden des Standes zu durchbrechen und mit dem ganzen Gestell durchs Dorf davonzurennen », erinnert sich der Klauenpfleger. Nur mit viel Mühe konnte das Tier eingefangen werden und musste vom Schmied aus dem Metallgestell befreit werden.

Freude an der Arbeit mit den Tieren

Klauenpfleger Antener ist je nach Jahreszeit mehr oder weniger im Einsatz. Im Frühling und Herbst hätten die Bauern oft keine Zeit für die Klauenpflege. Anfragen kämen oft ganz kurzfristig. «Da muss man flexibel sein und auch längere Anfahrtswege in Kauf nehmen», sagt er. Ideal ist, wenn er gleich einen ganzen Kuhbestand behandeln kann. «Dann lohnt sich der Aufwand. » Aber dem Tierwohl zuliebe macht er auch unrentable Einsätze.

Klauenpfleger nicht: Auch Antener hat sich schon am Bein verletzt, weil das schwere Schleifgerät abgerutscht ist. Das sei für ihn ein «Lehrblätz» gewesen, sagt er. Wie lange er noch arbeiten wird, steht noch in den Sternen. «Ich mag diese Arbeit mit den Tieren, darum mache ich so lange es geht weiter.» Nebst dem «Hobby» als Klauenpfleger hat der Pensionär immer noch genügend Zeit, mit den Gesangskollegen im Dorf ein Bier zu trinken. Monika Burri
 

Die Klauenpflege

Gesunde Klauen sind für das Wohlbefinden, die Leistung und die Wirtschaftlichkeit der Kühe wichtig. Bei der Stallhaltung findet wenig natürliche Abnutzung des Klauenhornes statt, was zu veränderten Belastungsverhältnissen und Erkrankungen der Klauen führen kann. Ziel der Klauenpflege ist, die Füsse ausgeglichen zu belasten. Wer gewerbsmässig Klauenpflege für Rinder durchführt, muss über eine fachspezifische Berufs- oder Hochschulausbildung oder eine vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) anerkannte fachspezifische, berufsunabhängige Ausbildung verfügen. (mbu)

www.klauenpflege.ch