GRÜNE Kanton Solothurn


Wiederholt sich in der Amtei Solothurn-Lebern die Geschichte für die CVP im Kleinen? Man kennt die Situation vom Regierungsrat, wo die CVP gleich beide Regierungsräte ersetzen muss und will. Die Amteipartei hat hier nämlich mit dem Abgang von alt Kantonsratspräsident Peter Brotschi (Grenchen) und Unternehmer Josef Maushart (Solothurn) eine ähnliche Knacknuss vor sich. Die beiden Politschwergewichte haben an den letzten Wahlen zusammen über 10 000 Stimmen für die CVP gesammelt und gehörten zu den Bestgewählten der Amtei. Doch beide haben jetzt genug. Maushart nach nur einer Legislatur, Brotschi nach einer Politkarriere von drei Legislaturen im Kantonsrat, die er überdies im Grenchner Gemeinderat noch etwas ausklingen lassen will. 

Denkbar ist, dass Pascal Walter (Solothurn), der vor vier Jahren seinen Sitz Maushart überlassen musste, in den Rat zurückkehrt. 

FDP-Deputation mit solider Ausgangslage 

Mehr Ausdauer als sein CVP-Unternehmerkollege hat in der siebenköpfigen FDP-Delegation Ypsomed-Chef Simon Michel, der für eine weitere Legislatur kandidiert. Nachdem die vor vier Jahren bestgewählte Anita Panzer ihre Karriere im Rat schon früh beendete, darf die FDP froh sein, dass Michel an Bord bleibt. In der siebenköpfigen FDP-Deputation wollen sogar alle Bisherigen weitermachen, was eine komfortable Ausgangslage bedeutet. Fragen stellen sich dennoch: Wie gut kommt der im Lauf der Legislatur von der BDP zur FDP «konvertierte» Selzacher Markus Dietschi bei der freisinnigen Wählerschaft an? Dies zumal listenintern starke Konkurrenz im oberen Leberberg herrscht mit Gabriela Mathys (Bettlach, neu) und Christoph Scholl (Selzach, bisher).
    

Kantonsratswahlen Solothurn-Lebern
Kantonsratswahlen Solothurn-Lebern

Die SP Solothurn-Lebern zeichnet sich durch eine ansehnliche Fluktuation aus. Von den fünf vor vier Jahren Gewählten treten noch zwei zur Wiederwahl an: Remo Bill, Vize-Stadtpräsident von Grenchen, und Lehrerverbandspräsident Mathias Stricker aus Bettlach. Mit Angela Kummer (Grenchen, Rücktritt letztes Jahr) muss die Uhrenstadt neben Brotschi auf eine weitere Stimmenlokomotive verzichten. Was die nicht unbegründete Angst nährt, dass die ohnehin winzige (im Vergleich mit den anderen Solothurner Städten) Grenchner Deputation wieder geschwächt wird. Über alle Listen gesehen hat Grenchen weniger als halb so viele Kandidierende (29) wie Solothurn (59). Für die SVP dürfte das Trio Conti, Aschberger und Ritschard fest im Sattel sitzen, ob mehr drinliegt ist aufgrund der tendenziell sinkenden SVP-Wählerzahlen aber offen.

Weiterhin spannend dürfte das Abschneiden der Trendparteien Grüne und GLP sein. Beide weisen ein deutliches Übergewicht an städtischen Kandidierenden aus − was in einer Amtei, die allein zwei der drei solothurnischen Städte umfasst, aber nicht ohne Sinn ist. Gespannt sein darf man insbesondere auf das Abschneiden der grünen Stadtpräsidentin-Kandidatin von Solothurn, Laura Gantenbein.

Bei den Grünliberalen ist von Interesse, ob Markus Knellwolf, einst im Kantonsrat für die Amtei Bucheggberg-Wasseramt, nach seinem Comeback aus Graubünden auch in der Amtei Solothurn-Lebern punkten kann. Und natürlich, ob Anke Trittin aus Günsberg vom Bekanntheitsbonus ihres deutschen Bruders, dem grünen Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin, profitieren kann. Andreas Toggweiler

Auf einen Blick

Anzahl Mandate: 23 (aktuell 7 FDP, 4 CVP, 3 SVP, 5 SP, 3 Grüne und 1 GLP)
Kandidierende: 153
Anzahl Listen: 9
Frauenanteil: 36 Prozent
Durchschnittsalter: 42,6 Jahre
Die Ältesten und die Jüngsten: jüngster Kandidat Lukas Egli (18 Jahre, FDP Solothurn), ältester Kandidat Ueli Custer-Meier (71 Jahre, CVP Lommiswil)
Gewichtige Rücktritte: Peter Brotschi (CVP), Josef Maushart (CVP), Angela Kummer (SP, Rücktritt 2020), Anna Rüefli (SP)


Was Wählerinnen und Wähler von der Regierung erwarten

Umfrage

Ruth und Mario Furer, 65Rentner, Grenchen
Ruth und Mario Furer, 65
Rentner, Grenchen

«Die Regierung sollte weniger versprechen, diese Dinge dafür dann auch einhalten. Es wird immer sehr viel geredet und nur ab und zu etwas gemacht. Gerade beim Thema Corona ist es wichtig, schnell zu handeln. Da sind wir zufrieden mit dem Kanton, Solothurn war immer recht streng. In Bezug auf die Impfung fänden wir es gut, wenn wir direkt ein Impfaufgebot erhalten würden – nicht nur die Möglichkeit zur Anmeldung.»   


Jana Fürst, 22Studentin, Olten
Jana Fürst, 22
Studentin, Olten

«In der Regierung braucht es mehr Frauen. Und es müssen auch mehr Frauenthemen diskutiert werden. Ein anderes wichtiges Thema ist das Klima. Wenn junge Leute auf die Strasse gehen, um für das Klima zu demonstrieren, dann sollte die Regierung ihnen zuhören und nicht einfach denken: ‹Das sind eh nur dumme Junge, die keine Ahnung haben.› Es ist wichtig, dass junge Leute von der Politik ernst genommen werden.»  


Oliver Meier, 42Uhrmacher, Solothurn
Oliver Meier, 42
Uhrmacher, Solothurn

«Ich habe das Gefühl, die Wahlen tangieren mich nicht so. Ich weiss auch gar nicht, was momentan für Themen diskutiert werden. Ich zahle zum Beispiel einfach meine Steuern und hinterfrage dabei nicht gross, wie hoch sie sind. In Bezug auf Corona hat sich der Kanton halt einfach nach den Fallzahlen gerichtet. An die Regeln habe ich mich recht schnell gewöhnt, Anfang 2020 konnte man ja eh auch nichts machen.»


Maya von Gunten, 69Stadtführerin, Solothurn
Maya von Gunten, 69
Stadtführerin, Solothurn

«Bis Corona kam, war ich mit unserer Regierung immer zufrieden. Nun finde ich, sie sollte ein bisschen mehr auf den Puls der Bevölkerung hören. Bei vielen Regeln merkt man einfach, dass sie am Schreibtisch verfasst worden sind. Sie wirken recht weltfremd. Zum Beispiel, dass manche Läden zwar geöffnet sind, aber nicht all ihre Produkte verkaufen dürfen. Das ist doch willkürlich. Es braucht Massnahmen – aber sinnvolle.»


Roland Fuchs, 69Werbefachmann, Bibern
Roland Fuchs, 69
Werbefachmann, Bibern

«Ich finde zum Beispiel das Thema Abfall wichtig. Am Strassenrand liegen sehr viele Aludosen herum. Es bräuchte jemanden, der einfach mal hinsteht und sagt, er wolle etwas ändern, denn oft geht es langsam voran. Dass es aber überhaupt vorangeht und trotzdem so viele Meinungen berücksichtigt werden, ist auch beeindruckend. Die Regierung könnte noch etwas volksnaher handeln.»

Umfrage: Sophie Deck, Rebecca Rutschi