Freiwilligenarbeit ist ein wichtiger Pfeiler jeder Gesellschaft. Auch wenn das Sozialsystem noch so gut greift, möchten die wenigsten auf Dauer davon abhängig sein. Und Engagement seitens der Bevölkerung, Solidarität mit den anderen, sind Tugenden, welche die Gesellschaft bestärken. Oftmals geht es einfach nur darum, jemandem ein wenig Hilfestellung zu geben. So wie bei dem Projekt «Co-Pilot», bei dem Freiwillige während eines Jahres Flüchtlinge, «Piloten» genannt, begleiten.


«Mir ging es nicht nur ums Helfen, sondern ums gemeinsame Erleben.»

Natascha Burkhalter Okpalike Copilotin von Million


GAG

Die Freiwilligen helfen bei sprachlichen Problemen, administrativen Dingen, Einkäufen oder einfach beim Verständnis der hiesigen Kultur. Manchmal helfen sie auch erst einmal bei den Schulaufgaben. «Wenn Deutsch nicht sitzt, sind alle Fächer schwierig zu verstehen », weiss Natascha Burkhalter Okpalike. Sie begleitet seit etwa zwei Jahren eine junge Eritreerin namens Million, die mit 16 Jahren in die Schweiz kam. Mittlerweile sind sie Freundinnen geworden, was sicher auch am jungen Alter von Natascha liegt. Mit 30 Jahren weiss sie noch gut, womit Jugendliche zu kämpfen haben. «Wenn dann noch ein Migrationshintergrund dazukommt und die Sprache schlecht gesprochen wird, ist es doppelt so schwer. Dann hat man mit Vorurteilen zu kämpfen, die man selbst nicht entschärfen oder aufklären kann.» Natascha weiss das auch aus eigener Erfahrung. Ihr Mann kommt aus Nigeria und ist als Asylsuchender in die Schweiz gekommen. «Er ist eigentlich den gleichen Weg gegangen, wie die Piloten im ‹Co-pilot›-Projekt, hatte am Anfang auch Schwierigkeiten mit Sprache und Kultur», erzählt Natascha. Denn eine fremde Kultur bedeutet nicht nur häufig eine andere Sprache, sie hat auch andere Regeln, gesellschaftliche Codes, die es zu kennen gilt. Sprache allein als Zugang reicht da nicht. Daher fällt es jungen Leuten oft leichter, sich zu integrieren. Auch Million findet sich in der Schweiz inzwischen gut zurecht und hat die Sprache gelernt. Und sie hat ein Ziel vor Augen: Im August fängt sie eine Lehre als Produktionsmechanikerin an. «Ich arbeite gerne mit Maschinen. Dank Natascha konnte ich gute Bewerbungen schreiben und mich mit dem Beruf richtig auseinandersetzen. Sie hat mir viel geholfen.»


«Für mich ist es eine grosse Befriedigung, zu sehen, wie eigenständig Adil geworden ist.»

Erwin Egli Co-pilot von Adil


Erwin und Adil bei der Abschlussfeier des ersten gemeinsamen Jahres. Bilder: zvg
Erwin und Adil bei der Abschlussfeier des ersten gemeinsamen Jahres. Bilder: zvg

Einzig der Wille zählt

Es ist wie im Fall von Natascha sicher von Vorteil, wenn man aus eigener Erfahrung oder nächster Nähe weiss, wie es sich anfühlt, einen Migrationshintergrund zu haben. Voraussetzung für das Projekt ist es allerdings nicht. Da steht anfangs einzig der Wunsch, zu helfen. Der führte ebenfalls bei Erwin Egli dazu, sich vor vier Jahren bei dem Projekt zu melden. Der heute 69-Jährige lernte nach den beiden Informationsveranstaltungen der Caritas beim «Matching day» den 18-jährigen Adil kennen und griff ihm fortan unter die Arme. Auch sie haben heute trotz des Altersunterschieds eine freundschaftliche Verbindung. «Adil kommt dann zum Tee vorbei und wir sprechen ein wenig über seine Ausbildung und sein Leben. Wenn er Schwierigkeiten mit administrativen Dingen wie z. B. einer Telefonabmeldung hat, schickt er mir einfach ein Bild per Whatsapp.» Manchmal fallen sie dann ins Arabische, denn Erwin Egli hat 4 Jahre im Jemen gelebt und Adil kennt Arabisch aus der Schule. Das hat zu Beginn bei der Kommunikation sehr geholfen. Doch für den motivierten Eritreer stand auch fest, dass Integration nur über Sprache zu erreichen ist. Er lernte schnell Deutsch und schaute sich – zusammen mit Erwin Egli – nach Ausbildungsmöglichkeiten um. Dieses Jahr schliesst er seine Ausbildung zum Logistiker EBA ab. «Ohne Erwin wäre ich oft aufgeschmissen gewesen. Ich verdanke ihm sehr viel.» Erwin wiederum ist froh, ihm auf seinem Weg geholfen zu haben: «Es ist eine grosse Befriedigung, zu sehen, dass jemand immer besser auch alleine und eigenständig zurechtkommt.» Dominique Simonnot
      

Informationen zum Projekt

www.caritas-solothurn.ch
Tel. 032 623 01 57