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«Total heimelig»

GIBS Grenchen Timo Schmid schliesst in diesen Tagen die Lehre zum Zimmermann ab. In den vier Jahren hat er überraschende Seiten des Berufslebens und an sich selbst entdeckt.

Timo Schmid und seine Abschlussarbeit an der GIBS Grenchen. Bild: zvg

25.06.2021

Kurz vor der Abschlussprüfung ging es an der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule Grenchen (GIBS) nochmals zur Sache: Die angehenden Zimmerleute mussten ihr Können unter Beweis stellen und in einem Modell aus Holz Teile eines Dachs und einer Wandverschalung konstruieren. Es war das Gesellenstück der Ausbildung. Einer der Schulabgänger ist Timo Schmid, 19, Zimmermann-Lehrling aus Arch, in der Lehre bei Rüti Holzbau AG in Rüti bei Büren. Für sein Modell bekam Timo eine glatte 6.

«Ich hatte vor der Lehre nie gross mit Holz zu tun», erzählt Timo ganz entspannt. Dann aber weckte die Arbeit mit dem Material auch die Begeisterung. «Es gibt so viele Arten von Holz. Kein Stück ist wie das andere. Aber immer ist diese natürliche Wärme des Materials. » Eins sei sicher, doppelt Timo nach. «Baue ich eines Tages ein Haus, ist es ein Holzhaus, total heimelig, mit Böden, Decken und Wänden aus Holz.»
 

In der Oberstufe zog es Timo zunächst in keine bestimmte Berufsrichtung. In Mathe war er gut. So viel stand fest. In der Schnupperlehre als Elektroinstallateur funkte es nicht. Seine Eltern gaben ihm den Tipp, es mal mit Zimmermann zu versuchen. Insgesamt fast zwei Wochen schnupperte er bei Rüti Holzbau. Das passte – für beide Seiten. Timo lernte schon beim Schnuppern, dass Zimmerleute Scheunen und Hallen errichten, Fassaden und Wände verkleiden, Dächer und Treppen zimmern und Arbeiten im Innenausbau ausführen. Wie abwechslungsreich der Beruf in der Realität sein würde, habe er damals nicht geahnt.

Der Hangar am Flugplatz

Faszinierend sind für ihn die Zimmermannsarbeiten in XL-Dimensionen. «Das ist ein super Gefühl, am Morgen sieht man nichts, und am Abend steht fixfertig eine Halle da.» Das eindrücklichste Projekt für Timo war der Bau des neusten Hangars am Flugplatz Grenchen. Das war in seinem zweiten Lehrjahr. Gebaut wurde in Elementbauweise. Die rund 4 mal 8 Meter grossen Holzelemente, alle aus regionalen Hölzern wie Tanne, Fichte und Buche, wurden in der Werkstatt in Rüti vorgefertigt und vor Ort montiert. Auch logistisch eine grosse Sache.

Keine Treppe ist wie die andere

Was mag der angehende Berufsmann heute am meisten? Er fühle sich im Element, wenn er Aufträge von A bis Z, vom ersten Kundenkontakt bis zur Montage, selbstständig betreuen und realisieren kann. Besonders die Erstbesprechungen mit Architekten und der Bauherrschaft findet Timo super. Das habe ihn überrascht: «Nie im Leben hätte ich von mir gedacht, dass mir die Arbeit mit Kunden so gefallen würde.» Immer wieder Highlights sind für Timo die kleineren, komplexen Aufträge. Treppen zum Beispiel. «Keine Treppe ist wie die andere und der Aufbau von Anfang an sonnenklar », erklärt Timo. Der Teufel einer Konstruktion steckt im Detail. Dann heisst es: zeichnen und knobeln, bis die Lösung «verhebt». Timos Chef, Jürg Affolter, bezog seinen Stift schon früh in solche Prozesse ein. Das gefiel Timo. Fragen wie: «Timo, wie würdest du das lösen? », waren Motivation pur.


«Ich hatte vor der Lehre nie gross mit Holz zu tun.»

Timo Schmid, Angehender Zimmermann


Und was gelang weniger gut? Timo überlegt lang. «Schwierigkeiten gibt es immer. Was man zum ersten Mal macht, gelingt meistens nicht auf Anhieb. Aber lernen kann man alles.» In der Schule, lacht er, waren die allgemeinbildenden Fächer weniger sein Ding. «Meine Stärken sind der Fachunterricht und Mathematik.»

Nächste Station

Kürzlich hat Timo seine erste Wohnung bezogen. Er will nun den Sommer an der Aare geniessen, etwas freie Zeit mit seiner Freundin und den Kollegen. Nach den Prüfungen bleibt Timo bei Rüti Holzbau. Er freut sich darauf, nicht mehr als Lernender, sondern als Berufsmann aufzutreten. Er liebäugelt ausserdem mit einer Weiterbildung an der Höheren Fachschule für Technik. Aber so weit in die Zukunft mag Timo nicht denken. Ohnehin steht demnächst die nächste Etappe an: die Rekrutenschule. Tiziana Ossola

Die GIBS Grenchen in Zahlen

Aktuell besuchen rund 700 Lernende in 43 Klassen die zum BBZ Solothurn-Grenchen gehörende GIBS in Grenchen. In diesem Jahr absolvieren 196 die Abschlussprüfungen in 10 Berufen.