Arbeit zu haben, ist wichtig: Sie sorgt nicht nur für Einkommen, sondern auch für Selbstwertgefühl und für soziale Kontakte. Umso härter trifft es Menschen, die plötzlich ihre Arbeitsstelle verlieren und somit aus der Bahn geworfen werden. Viele haben danach zwar wieder eine Stelle, aber es gibt auch jene, die keine mehr finden. Der Weg danach: Zunächst werden sie nach Ablauf der maximalen Bezugsdauer von Arbeitslosengeld, nach rund zwei Jahren, ausgesteuert. Nun folgt der Gang zum Sozialamt, die Betroffenen leben danach von Sozialhilfe und müssen plötzlich oft ein Leben am Rande der Gesellschaft führen.

Vorher als Hilfsarbeiter in der Industrie tätig

«Viele dieser Leute hatten vorher einen Job und haben fleissig gearbeitet. Sie standen mitten im Leben », erklärt Alexander Stüdeli, Geschäftsführer der ProWork AG. Viele dieser Leute, mit einer geringen oder gar keiner Ausbildung, haben vorher beispielsweise als Hilfsarbeiter in grossen Industriebetrieben Jobs verrichtet, die inzwischen ins Ausland verlagert oder von Maschinen übernommen wurden. «Wir geben diesen Leuten wieder eine berufliche Heimat und – was besonders wichtig ist – eine Tagesstruktur », erklärt Stüdeli. Zudem werden hier Personen mit Migrationshintergrund begleitet, die Sozialhilfe beziehen: Sie erhalten bei ProWork neben einem Job auch regelmässig Deutschkurse.
      

GAG

Unkomplizierte und repetitive Arbeiten

Die Firma beschäftigt Personen, die von der Sozialhilfe unterstützt werden und aus verschiedenen Gründen von den Sozialämtern den Gemeinden zugewiesen wurden. Der Hintergrund: Wer Sozialhilfe bezieht und somit Geld von der öffentlichen Hand bekommt, hat eine Mitwirkungspflicht und muss gemäss gesetzlich verankertem Gegenleistungsprinzip zumutbare Arbeit verrichten. «Grundsätzlich ist es das Ziel, dass die Leute wieder eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt finden, die Sozialhilfe nicht mehr nötig ist und die öffentliche Hand weniger Geld ausgibt. Aber das ist nicht bei jedem möglich», so Stüdeli. Bei Pro-Work arbeiten primär Personen, die im ersten Arbeitsmarkt keine oder nur eine geringe Chance auf eine Anstellung haben.


«Wir geben den Leuten wieder eine berufliche Heimat und – was besonders wichtig ist – eine Tagesstruktur.»

Alexander Stüdeli Geschäftsführer ProWork AG


Vom Sozialamt zugewiesen

Bei ProWork erledigen sie niederschwellige und unkomplizierte, repetitive Arbeiten in einer Infrastruktur, welche die öffentliche Hand unterstützt. Die Gemeinden zahlen ProWork für jede vom Sozialamt zugewiesene Person einen festgelegten Betrag. Nur akkreditierte Firmen wie ProWork dürfen solche Personen aufnehmen und begleiten. Es gibt 27 solche Unternehmen, die mit Personen des Kantons Solothurn arbeiten. «Die niederschwelligen Jobs, die in der Industrie verloren gegangen sind, werden in vielen dieser Firmen angeboten und von der öffentlichen Hand unterstützt», erklärt Alexander Stüdeli. Nimmt die ProWork AG mit ihren subventionierten Arbeitsplätzen nicht den Firmen auf dem freien Markt Arbeit weg? «Nein. Denn wir machen Jobs, die inzwischen nach Fernost verlagert wurden, oder Tätigkeiten zu einem niedrigen Preis, was für andere Firmen nicht attraktiv ist», betont Stüdeli. Im Kanton Solothurn wurden sogenannte Arbeitsmartkt-Integrationsprogramme für Sozialhilfeempfänger geschaffen. ProWork bietet niederschwellige Arbeiten in vier Tätigkeitsbereichen an. Im Auftrag von Firmen aus der Industrie werden beispielsweise Verpackungs- oder Montagearbeiten erledigt. «Dieser Bereich ist aus wirtschaftlichem Gesichtspunkt wichtig für uns, denn ohne zusätzliche Einnahmen können wir unsere Kosten nicht decken», sagt Geschäftsführer Stüdeli. ProWork ist eine Non-Profit-Organisation. Zu 60 Prozent lebt sie von öffentlichen Geldern, den Rest erwirtschaftet sie zu einem grossen Teil durch die erfüllten Aufträge der Industrie.
     


Forstarbeiten und Velostation

Aktuell bauen die Beschäftigten beispielsweise für Kunden einen Stecker zusammen oder verpacken Plastikteile. Zudem sind die Personen bei ProWork im Forst- und im Werkhofbereich von Gemeinden tätig, wo sie unter anderem Massnahmen gegen Littering verrichten oder einfache Unterhaltsarbeiten machen. Dritter Arbeitsbereich ist der Betrieb der bewachten Velostation am Bahnhof Solothurn. Viertens sammelt, lagert und verarbeitet die Firma Lebensmittel für den Verein «Tischlein deck dich», der gespendete Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Wer fähig ist, bei ProWork mehr zu leisten, hat die Möglichkeit, in einem Teillohnverhältnis angestellt zu werden. Für diese Arbeitsplätze werden keine öffentlichen Beiträge mehr entrichtet, und der Angestellte erhält einen Teillohn, der mit der Sozialhilfe abgerechnet wird. Dies entlastet die Kosten der öffentlichen Hand, und unter dem Strich bleibt der Person mehr, als wenn sie nur von Sozialhilfe lebt.

ProWork betreute 2019 insgesamt 262 Sozialhilfeempfänger: Davon fanden 21 einen Job im ersten Arbeitsmarkt und 46 wechselten mit der Zielsetzung einer Anstellung im ersten Arbeitsmarkt in ein Nachfolgeprogramm einer anderen Firma. Luc Müller